Dehio Brandenburg, 2012, S. 1097

Mit seiner bis auf wenige moderne Durchbrüche in vollem Umfang, in
größtenteils urspr. Höhe und mit Türmen und Toren erhaltenen Stadtmauer
bietet Templin eines der geschlossensten und besterhaltenen Beispiele für
die Befestigung einer mittelalterlichen norddeutschen Kleinstadt.
Die Mauer, 2.H.13.Jh., aus schichtenweise horizontal abgeglichenem
Feldsteinmauerwerk (nur die Mauerkrone später aus Backstein) in
regelmäßigen Abständen von etwa 30 Metern mit halbkreisförmigen
Weichhäusern besetzt. Diese, meist zur Stadtseite hin offen, innen mit zwei
Absätzen zum Einzug von Zwischenböden sowie mit Schießscharten und
urspr. mit Zinnenkranz aus Backstein; kein Wehrgang, dafür kurze Abschnitte
mit Mauerzinnen seitlich der Tore, die hölzerne Laufgänge auf der Stadtseite
vermuten lassen. Zwei runde Mauertürme durch Umwandlung von
Weichhäusern: der Pulverturm nahe dem Prenzlauer Tor aus Backstein mit
massiv gemauertem Kegelhelm, der Eulenturm im Süden aus Feldstein. Vor
der Mauer an der nicht durch Gewässer geschützten Südost- und Südseite
urspr. doppelter Wall und Graben.
Die drei Tortürme aus Backstein auf Feldsteinsockel, bei einer A. 14. Jh.
vorgenommenen Modernisierung der Befestigung an die Stelle der älteren
Tore – wohl niedrigerer Torhäuser aus Feldstein – getreten, sind frühe
Beispiele des im 14. und 15.Jh. in Norddeutschland vorherrschenden Typus
des durch Satteldach zwischen Stadt- und Feldseitengiebel
abgeschlossenen Turms über einer Tordurchfahrt.
Mühlen- oder Lychener Torturm. Dreigeschossiger quadratischer Turm über
spitzbogiger Durchfahrt, die Feldseite mit kräftigen Vorlagen für das Fallgitter,
diese unterhalb des Giebels spitzbogig zusammengeführt, darauf
zinnenbewehrte Verteidigungsplattform. Die Stadtseite mit zwei Geschossen
z.T. durchfensterter Spitzbogenblenden, dazwischen Palmettenfriese aus
gebrannten Tonplatten der Choriner Bauschule, der Giebel mit schmalen
Spitzbogenblenden und Fialen.
Berliner Torturm. Viergeschossiger quadratischer Turm über Durchfahrt, die
Stadtseite durch Spitzbogenblenden und gekuppelte Spitzbogenfenster
gegliedert, der blendengeschmückte Giebel mit Fialen; die Feldseite analog
dem Mühlentorturm.
Prenzlauer Tor. Dreigeschossiger, blendengegliederter quadratischer Turm.
Auf der Feld- und Stadtseite vollständig in Backstein. Die feldseitigen
Fallgittervorlagen zweifach gestuft, beide Giebel blendengeschmückt, der
stadtseitige mit Krabben und Fialen. Das allein erhaltene Prenzlauer Vortor
ein querrechteckiger zweigeschossiger Backsteinbau mit Satteldach, 15.Jh.,
mit zwei rundbogigen Durchfahrten im Erd-und Spitzbogenblenden im
Obergeschoss; mit dem Haupttor durch Zwingermauern aus Backstein
verbunden (heute überdacht, Museum).