Dehio Brandenburg, 2012, S. 1221 ff.

Burg (Museen, Amtsverwaltung, Bibliothek). Niederungsburg auf einem
aufgeschütteten Hügel an jetzt verlandetem See. 1214 neben Pritzerbe und
Brandenburg als bischöflicher Aufenthaltsort bezeugt; 1327–1560 Residenz
der brandenburgischen Bischöfe. 1571 kurfürstliches, später königliches
Domänengut, 1819 aufgelöst; danach bis 1945 Rittergut in Privatbesitz.
1955/56 als Internat eingerichtet. – Die bestehende Burg an Stelle einer
slawischen Anlage A.13.Jh. aus Feldstein errichtet (erhalten Bergfried, Teile
der Ringmauer); unter Bischof Ludwig v. Neindorf nach 1327 zur
bischöflichen Residenz ausgebaut und stark befestigt, die Wälle und Gräben
bis auf Reste verschwunden. Umfangreiche Erneuerung und repräsentativer
Ausbau im 3.V.15.Jh. unter Bischof Dietrich v. Stechow, u.a. Errichtung der
Burgkapelle.
Die ehem. nördl. Vorburg großteils um 1740/45 und A.19.Jh. abgebrochen
bis auf den sog. Storchenturm, einen Backsteinrundturm von 1497 mit oberer
Plattform und Kegelspitzdach; 1999/2000 rest. Neben dem Eingang
überlebensgroße Sandsteinskulptur, wohl sp.18.Jh.; zwei ähnliche Figuren
vor Burgtor und Bergfried. Neuer Wirtschaftshof im Westen mit Gebäuden
der 2.H.19.Jh. (Bibliothek, Heimatmuseum). Barockgarten M.19.Jh. zum
Landschaftspark umgestaltet.
Die Hauptburg angelegt um einen unregelmäßig polygonalen Hof als
Randhausburg. Auf der Nordseite der stumpfwinklig gebrochene
dreigeschossige mittelalterliche Haupttrakt mit Kapelle, Torhaus, Palas und
Ostflügel (sog. Altes Richterhaus), im Südosten frei stehender Bergfried, die
Gebäude auf der Südseite in ihrer heutigen Form um 1860 errichtet, später
verändert. Die ehem. an die Kapelle anschließende westl. Bebauung 1857
brandzerstört, 1897 beseitigt. Ab 1993 Freilegungen, Untersuchungen und
Sicherungsarbeiten; 2002–05 Sanierung und Ausbau zum Museum.
Bergfried nördl. durch modernen Glasverbindungsbau von 2005
(Veranstaltungssaal) an den Ostflügel angebunden. 35 m hoher, nach oben
sich verjüngender, ungegliederter Rundturm aus regelmäßigem
Feldsteinmauerwerk, hochgelegene Einstiegspforte mit Backsteinlaibung,
wohl A. 13. Jh. Zinnenkranz und Kuppelbekrönung in frühen
Renaissanceformen unter Bischof Matthias v. Jagow (1526–44), sein
Wappenschild neben anderen am Zinnenkranz. Beim im 19.Jh.
eingebrochenen ebenerdigen Turmeingang figürlicher Reliefgrabstein des
Caspar v. Arnim († 1579), in Rüstung. Turm 1999/2000 saniert.
Der anschließende urspr. dreigeschossige Ostflügel bewahrt größere
zusammenhängende Partien vom Feldsteinquadermauerwerk des 13. Jh.;
später vor allem mit Raseneisenstein erneuert, 1. H. 14. Jh. aufgestockt,
Veränderungen um 1500 und Ende 16. Jh.; das zweite Obergeschoss um
1740 (d) abgetragen. Ehem. durch polygonalen Treppenturm auf der
Hofseite erschlossen. Im Obergeschoss sog. Jerusalemsaal mit Resten
dreier Raumfassungen, Christus in der Mandorla, E.13./A.14.Jh.,
Landschaftsdarstellung (vielleicht Heiliges Land), letztes Dr.14.Jh.,
überlebensgroße Heiligenfiguren, 1.V.15.Jh. Im Erdgeschoss
spätmittelalterlicher Kamin. Tonnengewölbte Kellerräume.
Torhaus. Um 1330/40; bei Errichtung der westl. anschließenden Kapelle um
1470 erneuert; zum Hof einheitliche Schmuckfassade aus Backstein. Auf der
zur Vorburg gewandten Seite über der spitzbogigen Tordurchfahrt tiefe
Rundbogennische für ein Fallgitter; darüber ehem. ein Turm. – Über der
Durchfahrt zweijochiger kreuzrippengewölbter Raum (zugänglich von
Kapellenempore sowie vom Palas) mit breitem hölzernen Stockfenster von
1526 (d). Im Torhaus auch die alte Zugangstreppe zum Palas-
Obergeschoss.