Denkmaltopographie Frankfurt (Oder), Bd. 3, 2002, S. 175 ff.

(gekürzt) Die Pädagogische Akademie mit ihrem quergelagerten weißen
Baukörper bestimmt gleichermaßen die Südseite der Friedrich-Ebert- wie
das Südende der Gerhart-Hauptmann-Straße. Mit dem benachbarten
Musikheim Otto Bartnings, später Kleisttheater in der Gerhart-Hauptmann-
Straße 3-4 (s. d.) und der nördlich in der Achse stehenden einstigen
Hindenburgschule, August-Bebel-Straße 21 (s. d.), bildet das
Akademiegebäude das Zentrum dieses Stadtteils.
Die Planungen begannen nach der Fertigstellung des Musikheims. Im
Dezember 1928 nahm der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst
und Volksbildung, Carl Heinrich Becker, Gründungsverhandlungen mit der
Stadt auf, im Januar 1929 erfolgte die Unterzeichnung des
Gründungsvertrags. Der Staat übernahm den Großteil der auf zwei
Millionen Mark veranschlagten Kosten. Entgegen städtischem Wunsch
wurde der Bau nicht von Bartning, sondern auf Intervention des
Preußischen Finanzministeriums durch den in dessen Hochbauabteilung
tätigen Regierungs- und Baurat Hans Petersen geplant. 1929/30 war der
Standort geklärt, der nun nicht wie ursprünglich vorgesehen gegenüber
dem Musikheim, sondern in der Friedrich Ebert-Straße lag. Vorentwurf im
Oktober 1929. Beginn der Bauarbeiten September 1930. Im Herbst 1931
zeichnete sich ein Baustop ab. 1932 folgte die Notverordnung, nach der
diese Akademien keine weiteren Schüler aufnehmen durften. Der fast
fertige Rohbau kam im Frühjahr 1932 zum Erliegen, und die Stadt sah sich
mit einem funktionslosen großen Rohbau konfrontiert. Erst 1935 unter
nationalsozialistischer Herrschaft, nunmehr als Hochschule für
Lehrerbildung, mit wenigen Planänderungen fertiggestellt. 1941 zur
Lehrerbildungsanstalt umgewandelt. Nach 1945 als Haus der Offiziere
durch die sowjetische Stadtkommandantur genutzt, 1951 Bezug durch das
Institut für Lehrerbildung. Die im Krieg im Dachbereich ausgebrannte Aula
1952 saniert. 1957 übernahm die Bezirks- und Kreisleitung der SED den
Bau, 1973 Erneuerung der Ausstattung des Festsaalflügels, Erweiterung
durch Anbauten und Schließung des hofseitigen Pfeilerumgangs. 1980-82
Einbau spiegelverglaster Fenster. Jüngst Teilabbruch und Wiederaufbau
mit neuer Gründung der kammartig vorgezogenen Seminarräume wegen
gravierender Bauschäden bedingt, durch den instabilen Baugrund.
Der in Skelettbauweise aufgeführte Stahlbetonbau wird durch die Reihung
verschiedener, entsprechend ihrer Funktion differenzierter Gebäudeteile
gebildet. Glatte, helle Putz flächen kennzeichnen die Fassaden, überdies
waagerechte Fensterbänder und ein überstehendes Flachdach, die
vorspringende Traufkante aus scharriertem Gussstein sowie scharrierte
Sockelplatten. Das Zentrum der Akademie bilden der Hörsaalbau, der
Verwaltungstrakt und der Festsaalbau. Der dreigeschossige Hörsaalbau
bestimmt durch seine Höhe und die charakteristische Formgebung die
Gerhart-Hauptmann- Straße. Neben dem Hörsaalbau der durch ein
Vordach und die breite Treppe hervorgehobene Haupteingang. Nach
Westen schließt der dreigeschossige Unterrichts- und Verwaltungsflügel
an, straßen- und hofseitig durch liegende dreiteilige Fenster großzügig
belichtet. An der Friedrich- Ebert-Straße drei Unterrichtsräume enthaltende
Seminarbauten mit Fensterbändern auf allen drei Seiten, kammartig
vorgestellt. Auf der Hofseite der etwas nach Westen versetzte, hinter dem
Hörsaalbau angeordnete Festsaalbau. Den westlichen Abschluss bildet die
zurückgesetzte ehemalige Turnhalle. Hier noch ursprüngliche Holzfenster.
Östlich des Hörsaalbaus der ehemalige dreigeschossige Musikflügel,
niedriger und schmaler als der Verwaltungs- und Unterrichtsflügel.
Hofseitig setzt der runde Musiksaal einen wichtigen Akzent. Straßenseitig
prägen die Treppenanlagen beider Eingänge und die anschließende
kleinteilige, in einfachen geometrischen Figuren verlegte Pflasterung das
Erscheinungsbild ebenso wie die Rasen flächen und die
Umfassungsmauer aus Kalkstein.
In der Weimarer Republik wurde die Lehrerbildung zu einem zentralen
Anliegen, die nun durch die Ausbildung der Volksschullehrer in
Pädagogischen Akademien als gehobenen Fachschulen reformiert wurde.
1926-1930 entstanden 15 Pädagogische Akademien, deren Ausbildung die
wissenschaftliche Seite der Pädagogik mit der musischen und der
technischen verband. Diese Vorstellungen fanden in den
Akademieneubauten ihren spezifischen baulichen Ausdruck. Vom
konventionellen Schulbau unterscheiden sich die Akademien durch die
besondere Gestaltung der Seminarräume und Gemeinschaftssäle. Die vor
die Front gezogenen mehrgeschossigen Seminarbauten verkörpern die
reformpädagogischen Gedanken vom freien Arbeitsunterricht. Im
Gemeinschaftstrakt mit Festsaal und Tagungsräumen kommt der
Grundgedanke der Gemeinschaft aus Lehrenden und Lernenden zum
Ausdruck. Das Frankfurter Gebäude mit seiner kettenartigen Anlage steht
in der Entwicklung des Bautyps der Pädagogischen Akademien zwischen
den frühen Winkelanlagen und den später als Hofanlagen errichteten
Akademiebauten. Die lockere Anordnung flacher Baukuben mit stark
geöffneten Fassaden ist allen gemeinsam, da sich hierdurch die vielfältigen
räumlichen Anforderungen funktional gliedern ließen. Der Frankfurter Bau
dokumentiert diese neue baukünstlerische Formensprache und die hohe
Qualität dieser staatlichen Bildungseinrichtung. Sie ist das einzige
erhaltene Zeugnis dieser Bauaufgabe in den neuen Bundesländern und
zählt zu den wichtigsten und qualitätvollsten Großbauten der Klassische
Moderne im Land Brandenburg.
Literatur: Adressbuch 1933, S. Vf. – Kießling, Martin, Preußische
Staatsbauten 1931, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 52 (1932), S. 241-
262. - Petersen, Hans, Die Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt a. d.
Oder, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 55 (1935), S. 861-871. – Berger
1999, S. 171-177, 385-399, 587- 592. – Schulen 2001, S. 14. –
Noell/Schwarz 2001, S. 196f.