Denkmaltopographie Brandenburg, Bd. 1.2, 1995, S. 255 ff.
(gekürzt) Dreiflügelanlage mit Wirtschaftsgebäuden, südöstlich des
Stadtkerns am westlichen Havelufer gelegen und von einem Park umgeben.
Errichtet 1711-16, mehrmals umgebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg
entstellende Erneuerungen.
Baugeschichte
Das barocke Schloß wurde an der Stelle einer bereits Ende des 12. Jh.
existierenden Burg errichtet. Friedrich von Görne ließ das im Dreißigjährigen
Krieg durch wechselnde Besatzungen in Mitleidenschaft gezogene Schloß
1711 mit Ausnahme eines Turmes der Quitzowburg, der noch bis 1719
stand, vollkommen abtragen. Der bis 1716 errichtete Bau, in wesentlichen
Teilen erhalten, bestand aus einem zweigeschossigen Corps de Logis mit
eingeschossigen Seitenflügeln. In den achtziger Jahren des 18. Jh. ließ
Wilhelm von Anhalt den nördlichen Seitenflügel abreißen. Eine erste
Neueinrichtung des Inneren nahm der Baron von Lauer-Münchhofen
wahrscheinlich zu Beginn des 19. Jh. vor. Ein zweiter, größerer Umbau fand
in den Jahren 1861-65 statt, als die Familie des Grafen von Koenigsmarck
das Schloß zu ihrer Sommerresidenz umbauen ließ. Aus dieser Zeit datiert
die Neueinrichtung des südlichen Seitenflügels. Es ist anzunehmen, daß
gleichzeitig der Wiederaufbau des Nordflügels erfolgte. Vermutlich erhielten
damals (jedenfalls vor 1876) auch die Mittelachsen von Hof- und
Wasserseite je einen Balkon im Obergeschoß.
Das Plauer Schloß, im Gegensatz zu vielen anderen Herrenhäusern nicht im
Zweiten Weltkrieg oder den Jahren danach zerstört, diente nach dem Krieg
zunächst als Verwaltungsschule, später als Institut für
Sprachintensivausbildung. Im Rahmen dieser Nutzung als Ausbildungsstätte
wurde der Bau bereits 1949/50 einer verändernden Fassadenrenovierung
unterzogen, wohl 1957 seiner Stuckdecken, die sich gesenkt hatten, beraubt
und schließlich 1965 Opfer einer »Restaurierung«, die die ursprüngliche
architektonische Gestaltung des Außenbaus (Fassadengliederung, Putz,
plastische Elemente) vollständig durch eine barockisierende
Rauhputzfassade ersetzte. Im Inneren wurden die beiden großen Säle
vollkommen neu eingerichtet und die Räume der Seitenflügel als
Gästezimmer umgebaut.
Zweigeschossiges Hauptgebäude von 15 Achsen mit dreiachsigem, um ein
Mezzaningeschoß erhöhtem Mittelrisalit und vierachsigen Seitenrisaliten.
Langgestreckte eingeschossige Seitenflügel mit zweigeschossigen
Kopfbauten (der nördliche freistehend, da die auf dieser Seite gelegene
Hofeinfahrt den Flügel unterbricht), Seitenflügel einen nach Westen zum
Garten hin offenen Hof umschließend. Dieser regelmäßig strukturiert, in
seiner Mitte ein runder Brunnen mit Figurenschmuck aus der Nachkriegszeit.
Parallel zu den Gebäudekanten Beetflächen mit jüngeren Ziergehölzen. Hof
auf der offenen Seite durch ein transparentes schmiedeeisernes Gitter mit
Strauchvorpflanzung gefaßt.
Mittelrisalit des Hauptgebäudes mit lisenenartiger Gliederung aus
Putzbändern; die hochrechteckigen Fenster mit feingearbeiteten, stilisierten
Putzrahmen (im Erdgeschoß zum Teil mit Betonung der Keilsteine) mit
expressionistischen Anklängen, die für die anspruchsvolle DDR-Architektur
der fünfziger und sechziger Jahre typisch sind (vgl. Gertrud-Piter-Platz 11).
Der in der Mittelachse gelegene Haupteingang im Obergeschoß von einem
Balkon überfangen. Auf der Wasserseite, wo das Bodenniveau tiefer liegt,
Souterrain als Sockelgeschoß sichtbar; vor dem Mittelrisalit führt eine
doppelläufige Freitreppe zum Erdgeschoß.
Nördlicher Seitenflügel vom südlichen durch eine größere Anzahl von –
vereinfacht wiederhergestellten – Dachgauben unterschieden; beide Flügel
anstelle ihrer ursprünglichen Fassadengliederung heute mit flachen
Putzbändern bzw. –rahmungen (diese jedoch nicht einheitlich gestaltet, was
auf unterschiedliches Aussehen der Flügel bereits vor 1949/50 hindeutet).
Die Seitenflügel mit Walm- bzw. Krüppelwalmdächern (an den Kopfbauten
Mansarddächer), das Hauptgebäude mit mansardähnlichem Dach, überragt
vom quergelagerten Mansardwalmdach des höheren Mittelrisalits; die
Dachgauben über den Seitenrisaliten Zutat des frühen 20. Jh.
Im Inneren des Hauptgebäudes die ursprüngliche Raumaufteilung im
wesentlichen erhalten (je ein großer Saal in beiden Geschossen, der obere
durchgehend von der Hof- bis zur Wasserseite; einfache Treppe auf der
rechten Seite mit Rundbogenarkaden aus dem 19. Jh.). An den im ganzen
Gebäude mit modernem Isoliermaterial abgehängten Decken ursprünglich
feine Stuckdekorationen aus dem frühen 18. Jh., von denen nur geringe
Reste erhalten sind. Anhand der Türrahmen und -blätter lassen sich mehrere
Umbauphasen erkennen: Anfang des 19. Jh. Umbau zumindest des
Hauptgebäudes (Türen mit einfachen Rahmen und Türblätter mit feiner, in
stilisierte Guttae auslaufender Riefelung); 1861-65 unter der Familie von
Koenigsmarck vollständiger Umbau des Südflügels (stark profilierte
klassizistische Gesimsverdachungen über den Türen, einfache
klassizistische Türblätter). Lediglich die an der Hofseite entlangführenden
Korridore beider Geschosse haben ihre Fenster aus dem 18. Jh. behalten.
Im Nordflügel keinerlei Spuren der Einrichtungsphase des frühen 19. Jh.,
was die Annahme eines Wiederaufbaus erst 1861-65 stützt.
Die vorhandenen Kellerräume unter einem Teil des Hauptgebäudes und
dem gesamten Südflügel aus dem 18. Jh., unter dem Mittelsaal unter
Einbeziehung älterer Fundamente.
Die im Inventar von 1913 dokumentierte Inneneinrichtung nicht mehr
vorhanden; Teile von ihr werden im Märkischen Museum (heute Stiftung
Stadtmuseum) in Berlin aufbewahrt.
Auf der Nordseite des Schlosses mehrere ältere Nutzbauten: die Reste
eines Ringofens, der ein Teil der schloßeigenen Ziegelei war (Backsteinbau
mit gewölbtem Innenraum, der eigentliche Ringofen allerdings
abgebrochen); östlich davon ein ausgedehntes Kellersystem mit Räumen
verschiedener Bauphasen, das mit dem Nordflügel in Verbindung steht und
offensichtlich zu Lagerzwecken diente; im Westen, im rechten Winkel an den
Kopfbau des Nordflügels anschließend, ein Stallgebäude des späten 19. Jh.
(preußische Kappen).
Seine Ausmaße, die Wahl der repräsentativen Dreiflügelanlage und seine
Einbindung in eine Gartenanlage mit Orangerie und später ausgedehnten
Alleen zeigen Plaue als eines der anspruchsvollsten, modernsten und
architektonisch qualitätvollsten Schlösser Brandenburgs zu Beginn des 18.
Jh. In der Gesamtanlage wie der Gestaltung der Fassaden im Land
einzigartig, läßt sich ein vergleichbarer Bau am ehesten im Schloß von
Neustadt a.d. Elde (Mecklenburg), errichtet 1711-17, finden. Besonders
bedrückendes Beispiel für den rücksichtslosen Umgang selbst mit
bedeutenden Schlössern zu DDR-Zeiten.
Literatur: Duncker 1864/65; Horn 1871; Fontane, Fünf Schlösser (1888), S.
109-135; Eichholz/Spatz 1913, S. 135-141; Dehio 1983, S. 175.