Denkmaltopographie Ostprignitz-Ruppin, Bd. 13.1, 1996, S. 107
Die vermutlich im 17. Jh. gegründete Apotheke beim Stadtbrand 1787
zerstört. 1788 Neubau an heutiger Stelle für den Apotheker Schwanefeld.
1819-26 im Besitz von Louis Henry Fontane, Theodor Fontane wurde 1819
hier geboren.
Ursprünglich ein zweigeschossiger Massivbau mit Mitteltordurchfahrt und
Quaderlisenengliederung. 1867 durch Maurermeister Zabel für Apotheker H.
Arndt drittes Geschoß aufgesetzt und historistische Putzfassade
vorgeblendet. Letztere gekennzeichnet durch breiten, mit Ritzquaderung
versehenen Mittelrisalit, pilasterähnliche Wandvorlagen und antikisierend
gestaltetes Kranzgesims. In der Mittelachse Löwenfigur. 1900 rechts vom
Eingang Fontane-Gedenktafel angebracht. 1932 Umgestaltung des
Erdgeschosses (Travertinverkleidung), wobei der Hausflur in die äußere linke
Achse verlegt wurde. Im hinteren Flurbereich wohl die ehemaligen
Ladentüren als Windfang und Hoftür eingebaut, an den Flurwänden
Reliefplatten. Rechts die zum Ursprungsbestand gehörende Treppe
(vasenförmige Brettbaluster), im unteren Bereich 1932 verändert. Die
Ausstattung in den Obergeschossen von Umbauten ab 1867 (Türen,
Deckenstuck). Umfangreiche Kelleranlage, deren früherer Zugang unter der
Haustreppe lag (heute vermauert). Straßenseitig drei hohe, tonnengewölbte
Räume aus Ziegelmauerwerk, von denen der mittlere bis unter den Hof
reicht. Unter linkem Haus- und Hofbereich mittelalterliche Kellerräume mit
unregelmäßigen Feldsteinmauern, später teilweise mit preußischen Kappen
überwölbt. Hofseitig rechts Keller von 1880.
Kopfsteingepflasterter Hof. Rechts ein- bis zweigeschossiges, massives
Seitengebäude; der vordere Teil wohl im Kern um 1800, der hintere 1860 und
1880 angefügt. Links zweigeschossiger Seitenflügel von 1878. Hinter
gotisierend gestaltetem Gußeisenzaun großzügiger Hausgarten mit
gemauerter Grotte und Holzpavillon.
Das Haus ist als eine der ältesten Neuruppiner Apotheken und Geburtshaus
Theodor Fontanes (1819-98) von besonderer stadtgeschichtlicher
Bedeutung. Mit seiner Bausubstanz, die vom Mittelalter über die Zeit des
Wiederaufbaus nach 1787 bis in den Historismus reicht, ist das Haus ein
einzigartiges Zeugnis der baulichen Entwicklung Neuruppins. Es verfügt
zudem über einen der wenigen erhaltenen künstlerisch gestalteten
Hausgärten im Stadtkern.
Literatur: Bartelt, Freihäuser 1930, S. 51f.; Neumann, Fontanes Geburtshaus,
1932; Rockel 1992, S. 20.