Denkmaltopographie Ostprignitz-Ruppin, Bd. 13.2, 2003, S. 80 f.
Kath. Kirche St. Joseph. 1859 Missionsstation und Kapellenbauverein
gegründet. 1926 Erwerb des Grundstücks und erneute Vereinsgründung.
1931 Errichtung der Kapelle nach Entwürfen von Wilhelm Fahlbusch aus
Berlin.
Massivbau aus unverputzten Hartbrandziegeln. Dreiteiliger, in der Höhe
gestaffelter Baukörper aus Turm, Schiff und Ostannex; alle mit schmalen,
hohen Rechteckfenstern und steilen Satteldächern. An der Westseite des
querrechteckigen Turms breites Stufenportal mit Freitreppe und Vier-
Fenster-Gruppe in Kreisblende mit Kreuzsymbol. Innen schlichter
Rechtecksaal mit Holzbalkendecke. In der Ostwand vertikaler Ziegelstreifen
mit Tabernakel. Der Altarbereich 1972 umgestaltet.
Ausstattung
Kruzifix, ca. 1920/30, erworben 1975 aus Kremmen; Figur des hl. Joseph,
1931 von Harriet von Rathlef-Keilmann aus Berlin, Holz;
Fenster, 1974/75, mehrfarbiges Glas in Betonrahmen
Die Kirche ist ein künstlerisch anspruchsvoller und in der Region seltener
Vertreter der sachlich-funktionalen Architektur des Neuen Bauens. In ihrer
Ziegelbauweise und Höhenstaffelung nimmt sie Bezug auf die Gestaltung
mittelalterlicher märkischer Dorfkirchen. Dagegen zeigen Einzelformen
bereits expressionistische Gestaltungstendenzen. Sie ist ein ansprechendes
Zeugnis des katholischen Kirchenbauwesens der 1920er und 1930er Jahre
in Berlin und Brandenburg, zu deren prägenden Architekten Wilhelm
Fahlbusch gehörte.
Quelle: BLHA, Pr. Br. Rep. 2 A Abt. II Ruppin Nr. 1764.
Literatur: Meunier, Ernst, Katholische Kunst in Berlin, in: Die christliche
Kunst 27 (1930/31), S. 66-88; B., 50 Jahre St. Joseph-Kirche in Lindow, in:
St. Hedwigsblatt 28 (1981), S. 333; Brühe, Matthias, Katholische Kirche
zwischen Prignitz und Havelland, Berlin 2000, S. 28.