Denkmaltopographie Märkisch-Oderland, Bd. 9.1, 2005, S. 106 f.

Freistehend vor dem bewaldeten Hang an der Nordgrenze des
Gesundbrunnen-Geländes. Im Jahre 1788 hatte Friedrich Wilhelm II. auf
Anraten seines damaligen Staatsministers den Entschluss gefasst, die
Behandlungs- und Unterbringungsmöglichkeiten für adlige Kurgäste in
Freienwalde zu verbessern. Zu diesem Zweck erwarb der König noch im
selben Jahr vom Besitzer der Papenmühle das direkt neben dem
Gesundbrunnen gelegene Grundstück mit dem sog. Landhof und sofort wurde
dort mit der Errichtung eines repräsentativen Logier- und Badehauses
begonnen. Die Entwürfe lieferte der erst wenige Monate zuvor zum Direktor
des Kgl. Hofbauamtes ernannte Baumeister Carl Gotthard Langhans. Mit der
Koordinierung der Arbeiten betraute man die Freienwalder
Brunnenkommission und mit der baulichen Ausführung den Bauinspektor
Dornstein. Die oberste Bauaufsicht behielt sich Langhans selbst vor;
schriftliche Hinweise lassen annehmen, dass er das Vorhaben bis in
gestalterische Details begleitete. Der Neubau wurde im Herbst 1790
fertiggestellt. Laut einer Beschreibung von 1795 umfasste das Gebäude auf
seinen zwei Hauptetagen einen Speisesaal sowie 15 Fremdenzimmer, jedes
ausgestattet mit einer abgeteilten Badenwannen-Nische. Im Souterrain waren
die Küche, die Wohnung für den Koch und eine Kupferpfanne zur Erwärmung
des Badewassers untergebracht; im Dach befanden sich acht Kammern für
Bedienstete. Wie lange hier Badekuren durchgeführt wurden, ist nicht
bekannt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jh. wechselten die Nutzungen
mehrfach: 1865-67 nahm das kurz zuvor gegründete Progymnasium hier
vorläufig seinen Sitz und während der beiden Weltkriege richtete man das
Haus als Lazarett ein. Von 1945-61 diente das Gebäude als Berufsschule,
dann als Oberschule und ab 1976 als Internat. Im Zusammenhang damit
erfolgten jeweils erhebliche Umbauten. Ab 1997 wurde das »Landhaus« als
künftiger Teil der neuen Fachklinik baulich überholt; dabei kam es zur
Wiederherstellung der ursprünglichen Außengestaltung und -farbigkeit.
Gleichzeitig wurden zahlreiche Ausstattungsdetails den historischen
Vorbildern entsprechend nachgebaut (Fenster, Türen, Fußböden). Außerdem
bemühte man sich um die Wiedergewinnung der früheren Grundrisses.
Das in frühklassizistischen Formen gestaltete »Landhaus« errichtet über
feldsteinverblendetem Sockel als massiver Putzbau mit Mansardwalmdach. Die
symmetrisch angelegte Fassade durch ein Sohlbankgesims in ein hohes
Erdgeschoss und ein niedriger wirkendes Obergeschoss unterteilt. Vertikale
Zusammenfassung der vierflügeligen Kreuzstockfenster durch leicht eingetiefte,
bis auf schlichte Putzspiegel völlig schmucklose helle Putzfelder. Die
erhabenen Wandstreifen dazwischen in »holländischer Manier« mit
aufgemaltem Ziegelmauerwerk versehen. Den Fassadenabschluss bilden ein
glattes Putzband und ein davon abstechendes, sehr fein profiliertes
Hauptgesims. Gestalterisch besonders betont der dreiachsige, risalitartig
wirkende Mittelteil der Fassade. Hier im Erdgeschoss flankierende Pilaster
sowie im Zentrum, als außerordentlich prägnantes Architekturmotiv, eine über
beide Geschosse reichende rundbogige Eingangsnische mit Kalotte, in
Ädikulaform gerahmt durch Säulen und einen bekrönenden Dreiecksgiebel. Die
Nischenrückwand mit Putzkannelierung versehen, die Kalotte mit
wabenförmigen Putzkassetten. Das Hauptgesims am Risalit verkröpft und
zusätzlich von Zahnschnittfries begleitet. Zur Belichtung der Dachfläche dienen
Gauben mit geschwungenen Verdachungen. An den Gebäudeseiten die
Gliederung der Hauptfront fortgesetzt; die linke Giebelseite bei der Umnutzung
zur Schule mit einem Nebeneingang versehen.
Die zweiflügelige kassettierte Eingangstür über sieben Stufen erreichbar. Im
Putzfeld darüber ehemals farbig gefasste bildliche Darstellung von Christian
Bernhard Rode, die Bereitung von Heilbädern durch Genien thematisierend.
Dahinter liegt im Gebäudeinneren eine kleine, zum Obergeschoss offene
Eingangshalle, ihr Bild bestimmt durch grau gefasste Holzsäulen sowie eine
umlaufende Galerie mit hölzernem Geländer in gleicher Farbe. An der Decke
ursprünglich ein weiteres Wandbild von Rode (Äskulap mit
schlangenumwundenem Stab). Von der originalen Ausstattung sonst nur die
Treppe mit Brettbaluster-Geländer erhalten. Der Keller modern ausgebaut, der
Dachstuhl bis auf wenige Reste erneuert.
Das »Landhaus« entstand nach Plänen von Carl Gotthard Langhans (1732-
1808), einem Hauptvertreter des Frühklassizismus in Preußen, der als Schöpfer
des Brandenburger Tores und weiterer bedeutender Bauten in Berlin und
Potsdam berühmt wurde. Dem neuen Stilempfinden entsprechend zeichnet sich
das von ihm für den Freienwalder Gesundbrunnen entworfene Bade- und
Logierhaus durch große Klarheit in der Fassadengliederung und eine maßvolle
Verwendung von Baudekor aus. Auf Einflüsse der zeitgenössischen
»Revolutionsarchitektur« verweist das spannungsvolle Nebeneinander der von
Rechteckformen dominierten Seitenachsen und dem großzügigen Rundbogen
der zentralen Portalnische. Dem Betrachter prägt sich hierbei vor allem das
Motiv der kassettierten Kalotte ein, das Langhans hier vielleicht erstmals
verwendete, wenig später (1791) bei seiner Orangerie im Potsdamer Neuen
Garten wiederholte und das sich im folgenden Jahrzehnt großer Beliebtheit im
adligen und bürgerlichen Wohnhausbau der beiden preußischen
Residenzstädte erfreute. Nach dem Abriss aller anderen von namhaften
Baumeistern im Brunnental geschaffenen Bade- und Logierhäuser ist das
»Landhaus« heute das einzige erhaltene Zeugnis, das an die über
zweihundertjährige Nutzung und Förderung des Freienwalder Gesundbrunnens
durch das preußische Königshaus erinnert.