Denkmaltopographie Potsdam-Mittelmark, Bd. 14.1, 2009, S. 65 ff.

(gekürzt) 1594 erwarb Katharina, Gemahlin des Kurfürsten Joachim Friedrich
(1598-1608) und Amtsherrin von Potsdam, den Rittersitz Caputh von der
Familie von Rochow und ließ sich dort ein kleines Schloss errichten, dessen
Aussehen nicht überliefert ist. 1662 übereignete Kurfürst Friedrich Wilhelm das
Gut Caputh mit dem im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Schlösschen seinem
späteren Generalquartiermeister Philip de Chiese, der unter Einbeziehung der
Reste des Vorgängers einen Neubau errichten ließ. Durch einen
Tauschvertrag kam das Anwesen 1671 wieder an den Kurfürsten zurück; er
schenkte es seiner zweiten Gemahlin Dorothea, die den De-Chiese-Bau zur
Sommerresidenz ausbauen ließ.
1690, nach dem Tode Dorotheas (1689), erwarb Kurfürst Friedrich III. (der
spätere König Friedrich I.) das Schloss von ihren Erben für seine Gemahlin
Sophie Charlotte. Da diese jedoch das stadtnähere Lietzenburg (das spätere
Charlottenburg) vorzog, stattete der Kurfürst es für seine eigene Nutzung aus –
den Stellenwert, den das Schloss damals besaß, belegt das bereits oben
erwähnte »Dreikönigstreffen«. Nach dem Tode Friedrichs I. verblieb das
Schloss zunächst, im Gegensatz zu vielen anderen königlichen
Lustschlössern, noch in königlichem Besitz: Dank seiner günstigen Lage in der
Nähe eines ausgedehnten Waldgebiets schätzte der »Soldatenkönig« es als
Jagdschloss; auf seine Initiative geht die Einrichtung des Fliesensaals, heute
die Hauptattraktion des Schlosses, zurück. Erst Friedrich II. gab die Nutzung
des Schlosses als königliche Sommerresidenz auf.
Bereits vor 1732 war auf dem Schlossareal ein Vorwerk entstanden, zu dem
auch eine Brauerei gehörte. 1764 wurde der gesamte Schlosskomplex an den
Potsdamer Kommerzienrat Schmidt verpachtet, der dort eine Färberei für
türkische Garne einrichtete. Ein späterer Pächter, der Chevalier de Grosset,
betrieb in der Anlage von 1788-94 eine Lederfabrik. 1794 kam das Schloss
unter die Verwaltung eines königlichen Kastellans; 1796 wurde im ehemaligen
Schlossgarten eine Baumschule unter Leitung von Hofgärtner Voß
eingerichtet.
Seit 1813 gab es Bemühungen, das Anwesen aus dem Kronbesitz zu
veräußern, die 1820 schließlich zum Verkauf von Schloss und Vorwerk an die
Familie von Thümen führten. 1837 wurde Caputh landtagsfähiges Rittergut; mit
1878 Morgen (1858) umfasste es gut zwölf mal so viel Land wie das Dorf (143
Morgen), zählte aber nur neun Wohnhäuser und 63 Einwohner (das Dorf hatte
1146 Einwohner). Um 1870 setzte die Parzellierung und der Verkauf bzw. die
Verpachtung von Gutsland ein, auf dem nun vor allem Obstbau betrieben
wurde. Bis Anfang 20. Jh. erhöhte sich die Zahl der zum Rittergut gehörenden
Wohnhäuser auf 128 und die der Einwohner auf 804. 1908/09 kam das
Schloss in den Besitz der Familie von Willich, die es sanieren ließ und einen
hofseitigen Anbau hinzufügte. 1912 ging der größte Teil des Gutsbezirks im
Gemeindebezirk auf.
Im Zuge der Bodenreform wurde das Schloss 1945 enteignet. Bis November
1946 diente es einschließlich der Nebengebäude als Sitz der sowjetischen
Militärverwaltung, dann ging es an die Provinzialregierung über. Von 1947 bis
1961 war auf dem Schlossareal eine Fachschule für Landwirtschaft, danach
die »Zentralberufsschule Caputh für Fotografen, Fotolaboranten,
Blumenbinder« untergebracht, beide mit angeschlossenem Internat in den
Wirtschaftsgebäuden. 1987 übernahm das »Elektronikkombinat Carl von
Ossietzky« den seit 1976 unter Denkmalschutz stehenden Schlosskomplex,
um dort eine Bildungseinrichtung für Führungskräfte einzurichten. Es kam zu
Sanierungs- und Baumaßnahmen im Schloss und Abbrüchen auf dem
Wirtschaftshof. 1992 wurde das Schloss dem Land Brandenburg
zugesprochen und 1995 von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg übernommen. Die begonnenen Bau- und
Restaurierungsarbeiten wurden fortgeführt. Seit 1998/99 ist Caputh als
Museumsschloss der Öffentlichkeit zugänglich. Die Gebäude des
Wirtschaftshofes warten bis heute auf eine Sanierung, lediglich das
Kavalierhaus wurde instandgesetzt und wird heute als Restaurant genutzt.
Die Baugeschichte des Schlosses ist bisher nicht vollständig geklärt; eine
Monographie, welche die Ergebnisse der die 2005 abgeschlossenen
Restaurierungsarbeiten begleitenden bauhistorischen Untersuchungen
berücksichtigt, ist derzeit in Arbeit.
Nach gegenwärtigem Forschungsstand wurde der Bau, wie er sich heute
präsentiert, im wesentlichen 1662 durch Philip de Chiese errichtet. In den
Neubau einbezogen wurden Teile der Grundmauern des Ende 16. Jh.
entstandenen und im Dreißigjährigen Krieg zerstörten oder zumindest stark
beschädigten Vorgängers, wie das stärkere Mauerwerk der östlichen fünf
Achsen nahe legt (dort teilweise auch Formsteine vermauert). Die Vermutung,
dass in den Fundamenten und Außenmauern Reste der ehemaligen Dorfkirche
stecken (Kitschke 1999), ist dagegen eher unwahrscheinlich (Dorfkirche).
Neueren Untersuchungen zufolge war der De-Chiese-Bau ein eingeschossiger,
neun Achsen breiter verputzter Ziegelbau mit Walmdach, der – entgegen
früheren Annahmen – wahrscheinlich auch bereits mit zwei hofseitigen
Pavillons ausgestattet war. Dafür sprechen die Ergebnisse der oben erwähnten
baugeschichtlichen Untersuchung, bei der weder eine Baunaht in den
Fundamenten noch Spuren von Fensteröffnungen im Mauerwerk zwischen
Hauptbau und Pavillons an denjenigen Stellen gefunden wurden, an denen ein
siebenachsiger Bau ohne Pavillons aus Symmetriegründen Fenster aufweisen
müsste (m). Auf den De-Chiese-Bau geht vermutlich auch die
Fassadendekoration zurück. Stuckornamente dieser Zeit finden sich im
Teekabinett, möglicherweise auch noch in anderen Räumen (Ausstattung,
Raum 22, 24 und 25).
Nachdem das Anwesen 1671 wieder in kurfürstliche Hand gekommen war, ließ
Kurfürstin Dorothea es zur repräsentativen Sommerresidenz umgestalten: Der
De-Chiese-Bau erhielt auf der Gartenseite einen Mittelrisalit mit Freitreppe, und
der gesamte Baukörper wurde um eine Attika aufgestockt, um Raum für den
hohen Festsaal im östlichen Teil zu gewinnen. In diesem Zusammenhang
erneuerte man das Dachwerk komplett, im westlichen Teil, wo die Räume des
Hauptgeschosses ihre ursprüngliche Höhe behielten, blieb unter dem neuen
Dachstuhl jedoch der alte des De-Chiese-Baus erhalten. Das Schloss bekam
eine aufwendige Ausstattung mit kostbaren Tapeten und Wandbespannungen
sowie wertvollem Mobiliar; Stuckdecken und Deckengemälde wurden teilweise
erneuert (das Mobiliar nur aus dem Nachlassinventar Dorotheas bekannt,
angefertigt nach ihrem Tode 1689). – Wann die Bauarbeiten begannen und wie
lange sie sich hinzogen, ist nicht eindeutig belegt. 1678 wurde das Schloss
schon genutzt, aber noch 1686 wird über laufende Arbeiten berichtet. Wichtige
Hinweise liefern eine signierte Kaminplatte von 1684 im Festsaal und das
Deckengemälde im Vorzimmer des Kurfürsten, das als einziges signiert und
datiert ist (Samuel Theodor von Gericke, 1687). Aus der »Dorotheen-Zeit« ist
nicht nur die Raumstruktur des Schlosses überliefert, sondern auch ein großer
Teil der Stuckdekorationen und einige Deckengemälde (Ausstattung, u.a.
Raum 18, 23 und 24).
Unter Friedrich III. (I.) bekam das Schloss zwischen 1690 und 1695 eine
luxuriöse Neuausstattung (überliefert durch die in den Jahren 1698 und 1710
erstellten Inventare). Das Mobiliar wurde komplett ausgetauscht, einige Räume
erhielten eine neue Stuckierung und neue Deckengemälde; kennzeichnend für
den Stuck dieser Phase sind die kräftigeren Formen, wie sie z.B. im oberen
Vestibül und im Porzellankabinett zu finden sind (Ausstattung, u.a. Raum 16
und 19). Die Stukkateure sind – ebensowenig wie die der vorangehenden
Phase – bisher nicht namentlich bekannt. Nach 1701 gab es zwar Pläne für
eine tiefgreifende Umgestaltung des Gebäudes, die aber nicht zur Ausführung
kamen. Lediglich die ursprüngliche Hausdiele neben dem Haupttreppenhaus
wurde nach 1710 zum Garten- oder Sommerspeisesaal umgebaut, dabei
wurde ein Kreuzgratgewölbe eingezogen und das Fußbodenniveau tiefer
gelegt. Die Ausstattung dieses Raumes mit holländischen Fliesen, um 1720,
geht auf Friedrich Wilhelm I. zurück, der Caputh zwar nicht mehr als
Sommerresidenz nutzte (die Möbel wurden zum Teil ins Potsdamer
Stadtschloss gebracht), aber als Jagdschloss schätzte.
Während der Zeit, in der das Schlossareal als Vorwerk (spätestens ab 1732)
bzw. gewerblich genutzt wurde (spätestens ab 1765), kamen die restlichen
Möbel nach Potsdam, ansonsten fanden in dem Bau selbst kaum
grundlegende Veränderungen statt. 1788 erfolgten, im Zusammenhang mit der
Nutzung als Lederfabrik, Instandsetzungsarbeiten, die auch den Einbau von
Kachelöfen und die Zumauerung der Kamine umfassten. Für das gesamte 19.
Jh. liegen nur spärliche Quellen vor.
Gut dokumentiert ist dagegen die umfassende, mit einem neobarocken Anbau
auf der Südwestseite verbundene Sanierung von 1908-09, die einsetzte,
nachdem das Schloss in den Besitz der Familie von Willich gekommen war.
Die Arbeiten fanden unter der Leitung des Architekten W.F. Fiek statt, der das
Schloss in diesem Zusammenhang in der Zeitschrift für Bauwesen (1911)
vorstellte. Beteiligt waren auch die Berliner Architekten Kayser und v.
Großheim (Instandsetzung der Fassaden). Im Inneren wurden Stuck und
Malereien restauriert, das Deckengemälde im oberen Vestibül erneuert und der
Stuck im Festsaal teilweise ergänzt. Den modernen Wohnbedürfnissen trug
man mit dem Einbau einer Zentralheizung Rechnung. Insgesamt bemühte man
sich um größtmögliche Erhaltung der historischen Substanz; Nutzungen, die
mit den historischen Räumen unverträglich waren, wurden in dem Anbau
untergebracht.
Nach der politischen Wende ruhten die Arbeiten zunächst, erst nach
Übernahme des Schlosses durch die Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten (1995) wurden sie fortgeführt und kamen 2005 zum Abschluss.
In den meisten Räumen die aufwendigen Decken- und Wandstuckierungen der
1670/80er bzw. 1690er Jahre erhalten, desgleichen die Deckengemälde (die
zeitlich aber oft nicht mit den Stuckrahmungen übereinstimmen). Die
Stukkaturen ursprünglich nicht vergoldet, sondern nur farblich gefasst; die
Vergoldungen aus dem späten 18. oder frühen 19. Jh. Die Namen der
Stukkateure bisher nicht bekannt, wahrscheinlich aus dem Kreis der auch an
den Berliner und Potsdamer Stadtschlössern beteiligten Künstler
hervorgehend.
Das ursprüngliche Mobiliar nur durch Nachlassinventare bekannt (1689, 1698
und 1710). Nach der letzten Restaurierung Ausstattung mit Möbeln, Skulpturen
und Porzellanen sowie zahlreichen Gemälden des 17.-19. Jh. aus dem Besitz
der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten; der Schwerpunkt liegt auf
Kunstwerken aus dem Umkreis der Kurfürstin Dorothea und Friedrichs III. (I.),
die ursprünglich vorhandene Ausstattung nachempfindend.
Caputh, dessen Entstehung noch in die Zeit des Großen Kurfürsten
zurückreicht, ist das älteste in der Potsdamer Umgebung erhaltene Schloss.
Neben Köpenick und Oranienburg gehört es zu den wichtigsten Zeugnissen
brandenburg-preußischer Baukunst des späten 17. Jh. Es belegt das Wirken
des Architekten und Festungsbaumeisters Philip de Chiese, der u.a. beim
Potsdamer Stadtschloss mitwirkte, vor allem aber als Festungs- und
Kanalbauer einen Namen hatte. Hervorzuheben sind insbesondere die
qualitätvollen Stuckaturen, die in mindestens einem Raum noch aus dem De-
Chiese-Bau erhalten sind (zwischen 1662 und 1671; Raum 22), in den anderen
Räume teils aus der Zeit der Kurfürstin Dorothea (1670er/80er Jahre), teils aus
der Zeit Friedrichs III./I. (zwischen 1690 und 1695), stammen. Sie zeigen
anschaulich den Stilwandel im Preußen des späten 17. Jh. von einer zarten,
eher flächigen Gestaltung hin zu kräftigeren, prunkvollen Formen, die vom
gestiegenen Repräsentationsbedürfnis des anbrechenden absolutistischen
Zeitalters zeugen. Dabei besteht hinsichtlich der exakten Datierung der
Stuckaturen und der ausführenden Stuckateure noch Forschungsbedarf. Das
Deckengemälde im Vorgemach des Kurfürsten (das einzige datierte und
signierte Gemälde im Schloss) hat Bedeutung als frühes Werk Samuel
Theodor Gerickes (1665-1730), insbesondere da alle übrigen Deckengemälde
des in Italien ausgebildeten Künstlers, der an der Ausmalung des Berliner
Stadtschlosses beteiligt war und später Direktor der Berliner Akademie wurde,
zerstört sind. Eine im Land nahezu einmalige Erscheinung ist der Fliesensaal,
der zu den besten Zeugnissen der barocken Fliesenmode in Deutschland
gehört.
Der neobarocke Seitenflügel von 1909 und der damalige Ausbau des
Schlosses sind schließlich anschauliche Beispiele für einen von der
Heimatschutzbewegung inspirierten Umgang mit dem historischen Erbe.
Quellen: BLDAM, Altakte Provinzialverband (Schloss); Altakte IfD (Schloss);
Objektakte Nr. 2.00-14/917 (Schloss, Wirtschaftshof, Brauerei). BLHA, Pr. Br.
Rep 7, Nr. 93, fol. 10-13f (Vorwerk-Inventar von 1744); Pr. Br. Rep. 2
(Kurmärkische Kammer) B, Nr. 1724 (Pächterhaus). Stadtbibliothek Berlin,
Suchodoletz, Plan der Umgebung von Potsdam, 1682. SPSG, Plankammer
Potsdam, Planslg. Nr. 3762, P.J. Lenné, »Verschönerungs-Plan des
Schlossgartens zu Caputh«, um 1828.
Literatur: Kopisch, August, Die Königlichen Schlösser und Gärten zu Potsdam,
Berlin 1854; Wagener 1869, S. 250-253; Fiek, Hans F. W., Schloß Kaputh bei
Potsdam; In: Zeitschrift für Bauwesen 61 (1911), S. 247-259; Eckarkt 1967
(Erfassungskartei BLDAM); Rohrlach 1977 (Ortslexikon), S. 72-75; Werte der
Heimat 1969, S. 143f.; Kurztopographie 1978, S. 266f.; Börsch-Supan, Helmut,
Die Kunst in Brandenburg-Preußen, Berlin 1980, S. 83f.; Drescher, Horst/ Kroll,
Renate, Potsdam. Ansichten aus drei Jahrhunderten, Weimar 1981, S. 209;
Giersberg/Schendel 1984, S. 114; Köpping, Günter, Denkmalpflegerische
Zielstellung. Schloss und Park Caputh, 1988 (BLDAM, Altakte IfD). Mielke,
Robert, Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam, Frankfurt a.M./ Berlin
1991, S. 16; Potsdamer Schlösser und Gärten. Bau- und Gartenkunst vom 17.-
20. Jh., Ausst.-Kat. Potsdam-Sanssouci 1993, S. 54-59. Rompf, Hiltrud,
Schloss Caputh bei Potsdam (Magisterarbeit TU Berlin), 1993; Sommer,
Claudia, Caputh (Schlösser und Gärten in der Mark), hrsg. vom Freundeskreis
Schlösser und Gärten der Mark« in der Deutschen Gesellschaft e.V., Berlin
1996; Vinken 2000 (Dehio), S. 170f.; Sommer, Claudia/ Schurig, Gerd/
Vogtherr, Cristoph Martin, Schloß und Park Caputh (Amtlicher Führer), Hrsg:
SPSG, Potsdam 1998, 2003. Schurig 2005, S. 40-43; Thiede/ Wacker 2007.