Dehio Brandenburg, 2012, S. 103
Schloss, im Westen des Orts, heute Kinder- und Jugendhotel. 1528 durch
Hans v. Arnim von Kurfürst Joachim I. von Brandenburg erworben, bis 1945
in Besitz der Familie. Sehr stattliche, auf den vermuteten Burgstandort
zurückgehende Anlage aus um zwei Höfe gruppierten Gebäuden: ein
„Oberhaus“ genannter Renaissanceflügel im Südwesten von 1538(d) und ein
um 1600 angelegter, mehrfach veränderter Bau, das „Unterhaus“; dieses
1740 durch Neubau zweier Flügel zur Dreiflügelanlage mit östl. Ehrenhof
umgebaut. 1838–42 durch F. A. Stüler neugotisch umgestaltet, sein
Erscheinungsbild jedoch seit dem Umbau 1881–84 in Formen der
Neurenaissance durch C. Doflein dem des „Oberhauses“ angeglichen. 1999–
2005 umfangreiche Sanierung unter Rückbau und Teilrekonstruktionen sowie
Rest. Aus der Zeit als Offiziers-Erholungsheim 1955–90 noch einige
entstellende Neubauten, vor allem das „Wiesenhaus“ (1989) im Park vis-a-vis
dem „Unterhaus“.
Das „Oberhaus“ E.16.Jh.; hoher rechteckiger Putzbau von drei Geschossen
auf hohem Sockelgeschoss, die Front durch drei pilastergegliederte
Zwerchhäuser mit geschwungenen Giebeln belebt, im Dachraum Reste der
Renaissanceaußengestaltung, u. a. feingeschnittene Fensterrahmung;
Treppenturm aus der Umbauphase der 1880er Jahre, im oberen Teil
erneuert. Großer tonnengewölbter Keller. Das „Unterhaus“ ein
Putzbaukomplex aus dreigeschossigem Hauptflügel und zweigeschossigen
Seitenflügeln im Nordosten (ehem. Bibliothek) und Südwesten (Verbindung
zum „Oberhaus“ über den „Oberen Hof“). Der urspr. zweigeschossige, von
Stüler aufgestockte Hauptflügel mit hohem quadratischem Treppenturm auf
der Hofseite im Kern bis in die Zeit um 1600 zurückgehend; die Gartenseite
von Doflein mit halbrunden Turmerkern zu Seiten einer dreiachsigen Laube
mit doppelläufiger Freitreppe gegliedert. – Im ersten Stock des „Unterhauses“
sog. Jagdzimmer, ehem. gräfliches Empfangszimmer; Decke und
Kaminhaube mit reichem Stuckreliefdekor, um 1640 wohl von italienischen
Stuckateuren. Die Flachtonne mit vier Stichkappen durch Blüten- und
Fruchtgirlanden in Felder unterteilt, darin sehr bewegte exotische
Jagdszenen sowie Allegorien der vier Elemente in Hochrelief mit einzelnen
freiplastischen Teilen. Im ersten Obergeschoss Festsaal (1842), Wand- und
Deckenstuck rekonstruiert; im Bibliotheksflügel der über die gesamte
Gebäudelänge reichende Bibliothekssaal mit neogotischem Sterngewölbe
von Stüler.
Park. Ein seit 1668 bestehender Lustgarten 1827–38 von P. J. Lenné im
landschaftlichen Gartenstil umgestaltet, eine seiner bedeutendsten Anlagen
in Norddeutschland; in Teilen erhalten. Charakteristisch das Ausgreifen in die
„aufgeschmückte“ Landschaft im Sinne der „ornamental farm“. Einbezogen
ausgedehnte Gewässer: Küchenteich, Großer und Kleiner Karpfenteich. –
Auf einer Anhöhe gegenüber dem Ehrenhof des „Unterhauses“
„Apollotempel“, achteckiger Monopteros mit Kuppeldach von 1856. – Östl.,
durch eine Sichtachse verbunden, Erbbegräbnis v. Arnim, 1888 von C.
Doflein. Aufwendige Anlage mit Kapelle in Form eines neuromanischen
Zentralbaus, flankiert von zwei durch halbrunden Mauerzug verbundene
Eckpavillons, zwischen ihnen die von zwei ruhenden Sandsteinlöwen
bewachte Freitreppe. – Zwischen Kleinem und Großem Karpfenteich
Gedächtnistempel für Friedrich Wilhelm v. Arnim (†1801), sog.
Schlangentempel, Putzbau von 1804 mit großer säulenflankierter
Rundbogennische und flachem Dreiecksgiebel nach Entwurf von C. G.
Langhans; in Verfall, die ehem. dorthin führende Brücke zerstört. In der
Nische ehem. Marmorskulptur der Frau des Verstorbenen als Trauernde,
1802 von J. G. Schadow (heute in der Friedrichwerderschen Kirche, Berlin).
– Neugotische Gedächtniskapelle für Mathilde v. Arnim, sog. Rote Kapelle,
1875 durch M. Gropius an der Stelle eines Dianatempels hinter dem Großen
Karpfenteich errichtet. Kurzer, polygonal geschlossener Backsteinbau mit
Strebepfeilern und hoher Portalöffnung in der Giebelwand; verfallen.
Ehem. Marstall (Templiner Straße). Dreiflügeliger Putzbau von 1764-80
nordöstl. vor dem Schloss nach Entwurf von C. G. Langhans; A.19.Jh.
erweitert und die Flügel nach Westen verlängert. Die durch Umbau der
1950/60er Jahre weitgehend verlorenen klassizistischen Formen 2002–04
wiederhergestellt.